Mehr als 200 Führungskräfte und Branchenkenner besuchten das diesjährige ZZF-Forum. Bild: WZF/Peter Nierhoff
Mehr als 200 Führungskräfte und Branchenkenner besuchten das diesjährige ZZF-Forum. Bild: WZF/Peter Nierhoff

Emotion als Marke, KI als Chance

Mehr als 200 Führungskräfte und Branchenkenner folgten der Einladung des Zentralverbands der Heimtierbranche (ZZF) zum diesjährigen ZZF-Forum, das unter dem Motto „Die Kundenreise im Zeitalter der KI“ am 17. und 18. März in Niedernhausen stattfand.

Die Geschäftswelt ist derzeit geprägt von geopolitischen Umbrüchen, von Unsicherheiten in globalen Märkten und gefordert durch neue Technologien, die eigenständig Entscheidungen vorbereiten oder sogar treffen. Und mittendrin: die Heimtierbranche. Das zweitägige ZZF-Forum „Mit Hirn, Herz und KI“ gab mit Vorträgen und Interviews vielseitige Impulse, wie die Heimtierbranche in diesem veränderten Marktumfeld Schritt halten kann.

Der Auftakt zum Forum kam aus der Softwarebranche: Hartmut König, CTO Central Europe bei Adobe, führte aus, dass KI jede Branche verändern werde. Für viele Heimtierhalter sei KI bereits der erste Touchpoint: „Die Hälfte der Interaktionen finden, noch vor dem Klick auf die Website, in der KI-gestützten Oberfläche statt.“ König erörterte, wie Unternehmen ihre Sichtbarkeit bei Google & Co. erhöhen, und nannte zentrale Aspekte des „Agentic Web“, also von KI-Systemen, die mehrstufige Aktionen ausführen und im Rahmen definierter Experiences autonom handeln.

Marcel Bersch, Geschäftsführer von ZooRoyal, sprach in seinem Vortrag über die Multi-Channel-Strategie der Rewe-Tochter, die über alle Kanäle hinweg eine nahtlose Customer Journey verspricht.

Dass auch die Industrie den Weg des Multi-Channels einschlägt, zeigt das Beispiel Hunter. Als Hersteller von Accessoires für Hunde, Katzen und Pferde bewegt sich das Unternehmen zwischen Qualität, Tradition und neuen Märkten, wie Jan Oßenbrink, Co-Geschäftsführer der Hunter Group, im Interview mit Moderatorin Antje Schreiber ausführte.

Was verbindet die Rolling Stones mit dem Einzelhandel? Mehr als man denkt, lautete die Antwort von Carsten Markus, Head of Brands bei der Sagaflor: „Verliere nie deinen Markenkern, aber verschließe auch nicht die Augen vor Innovation.“ Dabei machen laut Markus Vertrauen, Kompetenz und Erlebnis den Erfolg des stationären Fachhandels aus.

Gründer Tim Burghardt stellte mit BetterReply ein KI-gestütztes Tool vor, das Google-Bewertungen personalisiert beantwortet, um Feedbacks zu erhöhen und Ratings zu verbessern, was auch die Kundenbindung stärkt.

Julian Posmeck, KI‑ und Automationsberater für den Mittelstand, zeigte anhand eines 4-Faktoren-Modells auf, wie Unternehmen relevante Use Cases identifizieren.

In sozialen Medien werden Entscheidungen – anschauen oder weiterscrollen – innerhalb von Sekunden emotional getroffen, lange bevor rationale Argumente greifen. Tasja Rogowski, Geschäftsführerin der Werbeagentur plantamedium, führte aus, wie sich Erkenntnisse des Neuromarketings für erfolgreiches Storytelling auf Social Media einsetzen lassen.

Am zweiten Tag des ZZF-Forums rückten Konsumtrends der Branche in den Blick: Als Hersteller im Bereich Aquaristik, Gartenteich und Terraristik will Sera im schrumpfenden Marktumfeld neue Zielgruppen ansprechen. Maximilian Deharde, Geschäftsführer der Sera Gruppe, stellte eine Produktrange vor, die naturaffinen Kunden ohne Vorwissen, ohne hohe Kosten- und Pflegeaufwand einen Einstieg in das Segment Gartenteich und Tiere im Garten bietet.

Wie Beratung im Spannungsfeld von Preisorientierung und Qualitätsanspruch gelingt und warum der Zoofachhandel seinen Servicegedanken gezielt stärken muss, berichtete Verkaufsprofi Oliver Simon, Leiter der Agentur für Umsatzplus, im Interview mit Antje Schreiber.

Tierhalter erwarten mehr Produkte, mehr Beratung, mehr Services rund um die Tiergesundheit. Welche Chancen sich daraus für eine zukunftsfähige Positionierung für Handel und Marken ergeben, machten drei Vorträge des ZZF-Forums deutlich.

Katrin Zimmermann, Inhaberin petxperts consulting, und Antje Schünemann, Beraterin für Petcare & F&B Marken, erklärten: „Präventive Gesundheit treibt Innovationen speziell im Petcare-Markt voran.“ Parallel zu Trends aus dem Humanbereich – „Longevity“ und „Healthification“ – eröffneten sich hier neue Potenziale für funktionale Ernährung, Supplements und Diagnostik. Verstärkt werde der Trend von einer zunehmenden „Humanisierung“ der Heimtiere und der gestiegenen Eigenverantwortung ihrer Halter.

Tierhalter greifen immer häufiger auf Alternativen zu kommerziellem „Standardfutter“ zurück. Dabei gibt es aber nicht die eine gute oder schlechte Ernährungsform für Hunde – das Futter muss bedarfsdeckend sein, erläuterte Prof. Dr. Nadine Paßlack, Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). In ihrem Überblick über aktuelle Trends in der Ernährung von Hunden und Katzen zeigte sie Vorteile und Risiken von Barfen, veganer Ernährung, insektenhaltigem Futter und Mikroprotein auf.

Mit sorgfältig ausgewählten Produkten und kompetenter Beratung kann der Zoofachhandel das Thema Tiergesundheit nicht nur auf die Fläche bringen, sondern als strategischen Vertriebsvorteil nutzen. Tiergesundheit sei aber ein Vertrauensgeschäft und kein Impulskauf, betonte Dr. Stefan Knoop, Geschäftsführer von Vetfly. Daher erwiesen sich ein Sortiment, das nach Symptomen statt Marken sortiert ist, sowie gut geschulte Mitarbeiter als entscheidende Erfolgsfaktoren.

Das nächste ZZF-Forum der Heimtierbranche findet am 9. und 10. März 2027 in Leipzig statt.